Zamm hoitn nicht nur im Klostergarten

Eröffnung von Zamm hoitn
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Dekan Jochen Wilde und Professor Johann Graf Lambsdorff eröffnen die Kundgebung „Zamm hoitn!“ im Klostergarten in Passau.
Bis zu 1200 Menschen haben am Freitagabend, den 21. Februar im Passauer Klostergarten für Demokratie und gegen Hetze demonstriert. Der Zusammenhalt aller demokratisch gesinnten Menschen stand im Vordergrund der Redner*innen aus Kirchen, einzelnen Personen der Universität, Gewerkschaften und verschiedenen Institutionen. Dekan Jochen Wilde und Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff hatten die Kundgebung organisiert. Für die musikalische Untermalung sorgte die Band Wooden Pink. Die Moderation der Kundgebung übernahm Perdita Wingerter vom Verein Gemeinsam leben und lernen", die zu den Redebeiträgen passende Artikel aus dem Grundgesetz zitierte.

Redner*innen der Kundgebung
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Die Redner*innen stammen aus der Mitte der Gesellschaft. (v.l.n.r.) Prof. Ralf Hohlfeld, Kerstin Simon, Thoralf Fricke, Markus Biber, Dekan Jochen Wilde, Prof. Johann Graf Lambsdorff, Pfarrer Markus Krell, Barbara Brauckmann, Moderatorin Perdita Wingerter und OB Jürgen Dupper.

Dekan Wilde eröffnete die Kundgebung mit einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge der letzten Tage und Wochen. Besonders berührt habe ihn der Appell der Angehörigen, den Tod der Opfer nicht zu instrumentalisieren.
Umso schäbiger und niederträchtiger sei das kurz darauf in den sozialen Medien kursierende Video von AfD-Politikern gewesen, die sagten: „Wir haben unsere Show gehabt“ und „Das können wir gut ausschlachten“. Und an Union und FDP gerichtet fragte er: „Wie konntet ihr mit denen gemeinsame Sache machen?
In seinem Redebeitrag forderte er dazu auf die Fluchtursachen zu bekämpfen und nicht die Migrant*innen und appellierte an die Politiker mit der Ausschließeritis, der Haudrauf- und Schuldzuweisungspolitik aufzuhören. „Das können wir nicht mehr hören!“ Wir wollen beides, so Wilde „Schutz und Sicherheit in unserem Land und zugleich eine offene, menschliche, hilfsbereite Gesellschaft bleiben.“

Teilnehmergruppe mit Transparent
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Teilnehmende Gruppen kamen aus dem Bereich der Kirchen, der Gewerkschaften, von Initiativen und demokratischen Parteien.

Pfarrer Markus Krell vom Pfarrverband Tiefenbach betonte in seinem Statement gegen Rechts, dass Respekt vor der Vielfalt des Lebens und eine nachhaltige Entwicklung nur durch sozialen Zusammenhalt und die Förderung demokratischer Werte erreicht werden können. Wirksame Lösungen statt Parolen seien untrennbar mit dem Einsatz für eine lebendige, demokratische Gesellschaft verbunden. „Wir sind die Brandmauer!“
An die Menschenrechte als Fundament unserer Demokratie erinnerte das Stadtoberhaupt Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Damit sei man in den Kreis der zivilisierten Staaten aufgenommen worden. „Seit 76 Jahren haben wir eine stabile und von der berieten Mehrheit geschätzten Demokratie.“ Demokratie brauche Dialog und Kompromissbereitschaft und wir sollten uns bemühen den demokratischen Schwung wieder in Gang zu bringen.
Über die Ausbildung von Pflegekräften berichtete die Geschäftsführerin der Berufsakademie Passau, Barbara Brauckmann. Der Anteil der Schüler*innen mit Migrationshintergrund habe zugenommen. Er liege bei 65 Prozent aus 43 Nationen. Ohne diese Migrant*innen würde das Pflegesystem in kürzester Zeit kollabieren.

Lichtermeer
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Ein Lichtermeer für die Opfer von Gewalt und Hetze.

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Ralf Hohlfeld warnte angesichts von Hassreden und Desinformationskampagnen vor einem azu laxen Umgang mit den sozialen Medien. „Wir brauchen Regeln und müssen uns gegen schrankenloses Lügen und Hetzen zur Wehr setzen.“ Freiheit brauche Regeln.
Die Woche nach dem Anschlag in München habe ihn hart mitgenommen, berichtete Andreas Schmal vom DBG Niederbayern. Neben vielen SSolidaritätsbekundungen habe es Hassmails von AfD-nahen Personen geben, die sich über den Tod eines Kindes und einer Frau gefreut hätten. „Das ist zum Kotzen!“ Er forderte alle Demokrat*innen dazu auf, laut und deutlich zu machen „Wir sind mehr.“
Der Vorsitzende des Diözesanrats, Markus Bieber thematisierte das christliche Menschenbild und was daraus für Christ*innen und eine darauf basierende Gesellschaft bei demokratischen Wahlen folgt. Alle Menschen seien vor Gott und dem Gesetz gleich, egal welcher Herkunft. „Lassen wir uns diese christlichen Werte nicht von Tätern und Parteien kaputt machen!“

Band Wooden Pink
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Die Band Wooden Pink sorgte für die musikalische Umrahmung. Hier auf einer Promotion-Aufnahme zu sehen.

„Demokratie heißt Vielfalt!“ So die Redner von pro familia, Kerstin Simon und Thorsten Fricke. Diese Vielfalt sei in Gefahr, warnten sie und wandten sich gegen den Abbau von Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Menschen, die nicht in das enge Weltbild der Rechtspopulisten passen. Demokratie bedeute nicht nur Mehrheiten zu wählen, sondern auch Minderheiten zu schützen.
Den abschließenden Part im Reigen der Redner*innen hatte der Korruptionsforscher Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff inne. In Demokratien wie Österreich, Großbritannien, der Türkei, den USA und Ungarn würden die Populisten den Rechtsstaat untergraben. Gemeinsam mit den Überreichen kontrollierten sie mit Geld und Macht, den fairen demokratischen Wettbewerb. „Sie schenken den Reichen und nehmen den Armen und lügen dazu.“ Dabei lenkten sie vom eigenen Versagen ab, auf Kosten der Schwächsten, der Minderheiten und der Migranten. „Die Folgen sind sozialer und wirtschaftlicher Niedergang. Das sind die Länder, in denen die Korruption stetig zugenommen hat.“ Genau das sei die Agenda der AfD.

Verein Umino teilt Essen aus
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Kostenlosen Eintopf und Tee gab es beim Stand von Umino, einem Verein zur Unterstützung für Menschen in Not.

Zum Abschluss der Veranstaltung rief Moderatorin Perdita Wingerter die Passauer auf, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Das ist die beste Medizin für die Demokratie und ganz Passau liebt die Demokratie.“
Text und Fotos: Hubert Mauch

Unterstützer:

Evangelisches Dekanat Passau, Gemeinsame Ökumenekommission, Diözesanrat der Diözese Passau, IG Metall Passau, Deutscher Gewerkschaftsbund Niederbayern, Evang. Jugend Passau, ESG Passau, Fridays for Future Passau, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Passauer Klimabündnis, katholisches Stadtdekanat Passau, Diözesan-Caritasverband Passau, Diakonisches Werk Passau, Penninger Hausbrennerei, Beutlhauser-Gruppe, Bündnis für Demokratie und Vielfalt, IG ViP – Interessengemeinschaft Verkehr in Passau, Gemeinsam leben & lernen in Europa, ÖDP, IG Bau, pro familia Niederbayern, Bündnis 90/Die Grünen, Ver.di, GEW , Freie Wählergemeinschaft (FWG) Passau, Umino, Forum Passau, Berufsakademie Passau (BAP), SPD Passau-Stadt, Prof. Dr. Ralf Hohlfeld, Die Linke Kreisverband Passau, KDFB Diözesanverband Passau und viele weitere...