Sein Name war Programm

Friedemann Kohler
Bildrechte privat

Abschied von Pfarrer i.R. Friedemann Kohler in Grafenau.

Mit einer bewegenden Trauerfeier in der Grafenauer Christuskirche nahmen am Donnerstag, 6. Februar die Familie Kohler, ehemalige Kolleg*innen und eine große Zahl Menschen Abschied von Pfarrer Friedemann Kohler. Er starb am 30. Januar im Alter von 82 Jahren.
Bis zu seinem Ruhestand war er 13 Jahre lang Pfarrer der evangelischen Gemeinde Grafenau und über Jahre stellvertretender Dekan des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Passau. Zuvor war er 23 Jahre Seelsorger in der Gemeinde Hengersberg und pflegte innige Kontakte zu Abt Emmanuel Jungclaussen in Niederaltaich. Die Ökumene war für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Er wurde als sensibler und ergreifender Prediger geschätzt, der mit feinsinnigem Humor und Sprachwitz die Menschen in Bann nehmen konnte. Geschätzt wurde auch seine freundliche, den Menschen zugewandte Seelsorge.
Den Gottesdienst gestaltete Pfarrer Thomas Plesch aus Tittling und seine ehemalige Vikarin und jetzige Klinikseelsorgerin in Regensburg Pfarrerin Cordula Winzer-Camrad hielt eine ergreifende Predigt. Er wurde auf den Grafenauer Friedhof beigesetzt.

In Vertretung des erkrankten Dekans Jochen Wilde würdigte Pfarrerin Dr. Ulrike Kuschel den Verstorbenen in einem Nachruf.

Nachruf für Friedemann Kohler
Liebe Ursel, liebe Fam. Kohler, liebe Angehörige und Trauergäste,

im Namen des Dekanats und des Dekanatskapitels darf ich heute ein paar Worte an Sie richten:
am 30. Januar, als Friedemann seine Reise in Gottes Ewigkeit angetreten hat, tat er das mit der Tageslosung aus Habakuk: der HERR ist meine Kraft. Was für ein passendes Reisemotto für ihn! Ich habe ihn kennengelernt als einen Menschen, der seine Kraft, seinen Humor, seine Lebensfreude aus seiner Gottesverbindung geschöpft hat. Dabei war er eng mit der biblischen Botschaft verbunden. Seine Beschäftigung mit ihr war von einer weiten, oft auch humorvollen Note geprägt. Und es war seine ganz besondere Begabung, dass er die alten Worte und Geschichten alltagsnah, anschaulich und tiefsinnig vermitteln konnte. In seinen Predigten. Aber auch im Unterricht in der Schule.
Dabei war ich persönlich immer sehr davon beeindruckt, dass Friedemann auch nach Jahrzehnten noch genau wusste, welche Predigt er beispielsweise an Invocavit 1970 gehalten hatte.
Bis zum Schluss war er ein leidenschaftlicher und tiefgründiger Theologe. Mit viel Weite im Herzen, Humor und regem literarischem Interesse. Geprägt von der Theologie Dietrich Bonhoeffers, mündete seine theologischen Gedanken aber nicht im Himmel, sondern auf der Erde und waren geerdet. Oberflächliche Frömmelei mochte er nicht. Für ihn hatte das Vertrauen in Gott ein klares Ziel: die Hinwendung zu den Menschen. Ihnen war er mit wertschätzendem Interesse zugetan.
Mit seine theologischen und menschlichen Fähigkeiten hat Friedemann viele Jahre das Dekanatskapitel bereichert – hochgeschätzt von den Kollegen und Kolleginnen. 13 Jahre lang war er als Senior die rechte Hand von Dekan Schmidt, dem er auch freundschaftlich verbunden war. Beide sind viele tausende Kilometer durch das Dekanat gefahren, um Kolleginnen und Kollegen in ihrem Berufsleben zu begleiten. Ob als Mentor für junge Pfarrpersonen, als Autor der Lesepredigten oder als Senior – Friedemann hat immer über den Tellerrand der Ortsgemeinde hinaus gesehen und sich gerne allgemein kirchlich engagiert. Verbunden mit einem wachsen Interesse an Zeitfragen und einem humorvollen Blick auf die Dinge. Sein Engagement war ihm selbstverständlich. Ein Ausdruck dessen, was er geglaubt hat. Was ihm wichtig war.

Sein segensreiches Wirken hinterlässt tiefe Spuren und wir werden ihn vermissen. Sein Humor und seine Herzlichkeit werden fehlen. Doch es ist schön, dass wir ihn bei uns haben durften.
Der HERR ist meine Kraft. Mögen Dich, lieber Friedemann GOTTES Flügel in die Ewigkeit tragen. Und möge GOTTES Kraft euch, liebe Ursel, liebe Familie Kohler, in Eurer Trauer tragen.