Knusper, knusper Knäuschen .. die Oper 'Hänsel und Gretel' in der Christuskirche Bad Füssing

Der 'Andere Gottesdienst zum Faschingssonntag' als Besuchermagnet

Seit genau 10 Jahren gibt es den 'Anderen Gottesdienst zum Faschingssonntag'. Einmal im Jahr gleicht das Innere der Evangelischen Christuskirche in Bad Füssing da mehr einer Bühne denn einem Gotteshaus. Und es empfiehlt sich an diesem Tag, rechtzeitig in die Kirche zu kommen! Der Faschingsgottesdienst ist ein echter Besuchermagnet. 'Wir haben da einen Rekordbesuch wie nicht mal mehr an Heilig Abend! Eine halbe Stunde vor Beginn sind fast alle Sitzplätze vergeben', freute sich Pfarrer Norbert Stapfer. 'Da kommen Leute, die trifft man sonst in keiner Kirche mehr an!' Eine große Chance, die der Kurseelsorger zu nutzen weiß. 'Die großen Themen von Operetten und Opern sind doch Themen der Ethik, ja gerade auch der christlichen Inhalte', so Pfarrer Stapfer. In diesem Jahr ging es in seiner Predigt zu 'Hänsel und Gretel' – unterbrochen von Schauspielszenen und Musik – unter anderem darum, warum Gott Leid zulässt.

Alles begann im Jahr 2009. Kurseelsorger Pfarrer Norbert Stapfer und Kirchenmusikdirektor Jürgen Wisgalla hatten schon in den Jahren vorher die unter dem Vorgänger Pfarrer Peter Ganzert 2002 eingeführte Idee des besonderen Gottesdienstes zum Faschingssonntag übernommen. 2009 erklangen dabei erstmals die Melodien aus der 'Fledermaus' von Johann Strauß, die Kantor Wisgalla zu einer Walzerfolge für Orgel bearbeitet hatte. Da war die Idee geboren: Es müsste doch möglich sein, aus dem Stoff einer Operette eine Adaptation zu schaffen, die sich inhaltlich und darstellerisch für die Aufführung in der Kirche eignen würde. Viele Opern und Operetten mussten seitdem für die Aufführung am Faschingssonntag herhalten u.a. 'Der Freischütz' (2013), 'Don Giovanni' (2015), oder auch 'Der fliegende Holländer' (2017). Im vergangenen Jahr schaffte es mit 'Cats' sogar ein Musical in den Gottesdienst, und zur Erinnerung daran erklang zu Beginn des diesjährigen Gottesdienstes an der Orgel das bekannte 'Memory'.

In diesem Jahr stand nun also Humperdincks Oper 'Hänsel und Gretel' auf dem Programm – nach 2014 bereits zum zweiten Mal in Bad Füssing inszeniert und wieder etwas überarbeitet. Da viele der damaligen Akteure mittlerweile dem Kindesalter entwachsen sind, formierte sich eine neue Gruppe von Jugendlichen, die sich gleich nach dem Weihnachtstrubel auf die Faschingssaison einstimmten. Und das ist eigentlich ein Wunder, wenn man die Altersstruktur der Kirchengemeinde Bad Füssing vor Augen hat.

Hänsel und Gretel in Bad Füssing

Das Bühnenbild wurde wie in den vergangenen Jahren gemeinsam gestaltet, da halfen alle - Jung und Alt zusammen. Ein paar noch gut erhaltene Christbäume, ein liebevoll in tagelanger Kleinarbeit von der Mesnerin Regina Wimmer aus Süßigkeiten gestaltetes Hexenhäuschen, dazu fantasievoll verkleidete Laien – Schauspieler und schon war das stimmungsvolle Ambiente für die Oper geschaffen. Die musikalischen Arrangements wurden von Kirchenmusikdirektor Wisgalla mit viel Liebe zum Detail überarbeitet. Zusammen mit Ehefrau Karin gab er sie vierhändig und vierfüßig an der Sandtner-Orgel zum Besten.

'Vor einem großen Wald wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel': mit diesen Worten leitete Pfarrer Stapfer die Geschichte ein. Das Leben der beiden ist kein gutes Leben, es ist leidvoll, voller Armut. Viele Menschen fragen in einer solchen Situation: Wo ist Gott? Warum hilft er nicht – wenn er doch allmächtig ist! Doch bei allem Elend gibt es meist einen Lichtblick. Gretel weiß um einen Topf Milch. Die Nachbarin hat ihn der Mutter geschenkt. Die Hoffnung auf einen guten Reisbrei lässt die Kinder übermütig werden. Vor Freude fangen sie zu tanzen an: 'Brüderchen, komm tanz mit mir!' Gretel wird, wie schon 2014, von der inzwischen erwachsen gewordenen Marion Wisgalla gespielt, anmutig und anrührend wie schon in der Uraufführung, als Hänsel steht ihr ihre Freundin Miriam Schütte zur Seite. Beide haben ihre Rolle verinnerlicht, die Emotionen spiegeln sich in ihren Gesten und ihrem Ausdruck. Erschreckt sehen sie die Mutter (Julia Greidenweis) heimkehren. Als sie die Kinder so ausgelassen sieht, wird sie wütend und stößt dabei aus Versehen den Milchtopf vom Tisch. Anders als im Grimmschen Märchen setzt sie die Kinder nicht aus, sondern schickt sie zum Beeren sammeln in den Wald. In ihrer Verzweiflung fleht die Mutter Gott an: 'Herrgott! Wirf Geld herab!'

Gott soll dazu gebracht werden, das zu tun, was der Mensch für gut hält. Es ist wie bei einem Automaten: Oben wirft man etwas Glauben hinein – und unten kommt das heraus, was man gern hätte. Doch auf solche Weise, so Norbert Stapfer, hilft Gott nicht! Wie hilft Gott dann? Jedenfalls nicht immer so, dass er uns unsere Sorgen wegwischt oder all unsere Probleme löst. 'Wer glaubt, muss auch manchmal durch dunkle Täler. Aber Gott lässt uns nicht allein! Wer das spürt, der bekommt Kraft, Kraft, damit er sich nicht aufgibt, damit er nicht resigniert.'
Unterdessen haben sich Hänsel und Gretel im Wald verirrt und legen sich verzweifelt aneinander klammernd zum Schlafen nieder. 'Drum träume, träume, Kindchen träume, gar holde Träume bringen euch die Engelein'. Die Orgel greift mit den Tönen des 'Abendsegens' die von Gretel gesprochenen Worte 'Abends will ich schlafen gehen...' auf.
In der Märchenoper kommt das Sandmännchen. Anna Rosa Desch verkörpert dieses märchenhafte Wesen in einem gelungenen solistischen Ballettauftritt mit selbst entworfener und einstudierter Choreografie – ein Highlight der Aufführung ebenso ihr Auftritt als 'Taumännchen', das die Kinder am anderen Morgen wieder weckt. Während die Kinder, begeistert angezogen vom Glanz des Knusperhäuschens, dort ihren Hunger stillen, ertönt aus dem Hintergrund die böse verzerrte Stimme der Hexe (Anette Greidenweis): 'Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?'. Die Antwort ertönt vielstimmig aus dem Publikum, das mitten ins Geschehen hineingezogen wird: 'Der Wind, der Wind, das himmlische Kind'!
Von der bösen Hexe angelockt und verzaubert, wird Hänsel in einen Käfig gesperrt und gemästet, während Gretel für sie schuften muss.

Das Ende des Märchens ist hinlänglich bekannt: Das Gute – in diesem Fall die listenreiche Gretel - siegt, Hänsel ist erlöst, die Eltern kommen und nehmen die Kinder in den Arm. Alle freuen sich, sagen Lob und Dank - und der Vater (Harald Mathieu) hält noch eine Predigt: 'Merkt des Himmels Strafgericht: Böse Werke dauern nicht. Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt. Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht.'

Norbert Stapfer interpretierte das so: 'Gott ist da! ER lässt uns nicht allein! Wer das spürt, der bekommt Kraft, damit er sich nicht aufgibt. Wir können dafür nur Danke sagen!' Und genau das taten die Gottesdienstbesucher. Aus vollen Kehlen erschallte 'Nun danket alle Gott', auch beim Segenslied 'Der Herr segne dich' wurde inbrünstig gesungen. Zum Schluss, nach dem Segen, erklang wie immer die Walzerfolge mit der Champagner-Arie aus der 'Fledermaus', das ist mittlerweile zur Tradition geworden. Manch ein Besucher sang und schunkelte da mit. Und selten sah man so fröhliche Gesichter aus der Kirche gehen wie nach diesem 'Anderen Gottesdienst zum Faschingssonntag', der am Nachmittag in der Emmauskirche Bad Griesbach wiederholt wurde. Man darf gespannt sein, was Norbert Stapfer und Jürgen Wisgalla für das nächste Jahr in Angriff nehmen werden!

Dr. Claudia Stadelmann-Laski

KIRCHENMUSIKALISCHER RÜCKBLICK
Der etwas andere Faschingsgottesdienst - Hänsel und Gretel in Bad Füssing

Hänsel und Gretel in Bad Füssing

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