Es hat sich herumgesprochen, dass der 'etwas andere Gottesdienst' zum Faschingssonntag in der Evangelischen Christuskirche in Bad Füssing etwas ganz Besonderes ist. So übervoll ist die Kirche ansonsten nur am Heiligen Abend. Die Besucher strömten in Scharen in die stimmig zur Wagner-Oper 'Der fliegende Holländer' mit maritimen Gegenständen dekorierte Christuskirche.

Das Schauspielteam - Julia und Anette Greidenweis, sowie Marion Wisgalla - setzten die Texte in Szene, ausgelegt jeweils durch predigthafte Einschübe von Pfarrer Norbert Stapfer, der auch durch die Handlung führte. Eine musikalische Glanzleistung boten die Arrangements der Melodien für 'Orgel zu vier Händen und vier Füßen' (Karin und Jürgen Wisgalla), die Kirchenmusikdirektor Jürgen Wisgalla speziell für die Aufführung bearbeitet hatte. Ob das mehrfach anklingende 'Erlösungsmotiv', das kraftvolle Lied der Matrosen 'Steuermann, lass die Wacht' oder auch das 'Lied der Spinnerinnen' - Naturgewalten und Emotionen fand ihren perfekten musikalischen Ausdruck.

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Die Sage vom Seefahrer, der in seinem Ringen gegen die Kräfte der Natur Gott lästerte und verfluchte und seitdem dazu verdammt war, für immer mit seinem Geisterschiff auf den Weltmeeren zu kreuzen, findet sich bereits in einer Erzählung von Heinrich Heine und war auch Richard Wagner bekannt. Unter dem Eindruck einer stürmischen Schiffsreise entstand seine Oper, die in Musik und Texten viele Anknüpfungspunkte zur Interpretation im Sinne des christlichen Glaubens beinhaltet. Insbesondere das Thema 'Erlösung' steht wie meist bei Wagner im Mittelpunkt.

Die Aufführung begann mit dem Auftritt des düster gekleideten Holländers (dargestellt von Anette Greidenweis). Gerade ist es wieder einmal soweit: Es ist dem verdammten Seefahrer vergönnt, alle sieben Jahre an Land zu gehen. Fände er dort eine Frau, die ihm treu bliebe, so wären er und seine Mannschaft erlöst. Verzweifelt hofft er auch diesmal auf die Liebe einer Frau. Sie begegnet ihm in Gestalt der Senta, Tochter des Daland (Julia Greidenweis), ebenfalls Seemann, der vom Reichtum des Holländers beeindruckt ist. In der Spinnstube träumt Senta (mädchenhaft schwärmerisch verkörpert von Marion Wisgalla) am Spinnrad vor dem düsteren Bild des Seefahrers. Sie fühlt sich, obwohl vom jungen Jäger Erik umworben, dazu berufen, den armen Holländer zu erlösen. Es erklingt die 'Ballade der Senta' - träumerisch und schroff zugleich.

In seiner Auslegung zieht Pfarrer Stapfer hier die Paralelle zum 'Hamsterrad' in unserer Gesellschaft. Wie oft ist der Lebensweg des Einzelnen in allen Details vorbestimmt, auszusteigen scheint nahezu unmöglich. Doch Sentas Vater Daland betritt die Stube zusammen mit dem Holländer und Senta sieht ihr Ziel zum Greifen nah, sie fallen sich in die Arme. Hier könnte die Geschichte mit Happyend schließen – wenn, ja wenn da nicht die Zweifel des Holländers an der aufrichtigen Liebe seiner Verlobten wären. Weiß er doch von ihrem früheren Treueschwur dem Jäger Erik gegenüber. Er ist sich sicher, dass sie ihm nicht die Treue halten kann und, um sie vor dem Verderben zu retten, gibt er sein Geheimnis preist. Doch Senta kennt es längst und schwört ihm noch einmal ewigeTreue, dann stürzt sie sich in den Tod. Erlöst entschweben beide – wie Wagner es liebt - in die Verklärung.

Hier setzt Norbert Stapfer noch einen gewichtigen Schlusspunkt: Die Erlösung, nach der sich alle Menschen sehnen, können wir nicht durch andere Menschen, sondern nur durch Jesus Christus erlangen. Im Glauben an ihn beginnt ewiges Leben für Christen schon im Hier und Jetzt.

Noch einmal erklingen die musikalischen Hauptthemen im Finale und traditionell wie jedes Jahr als 'Rausschmeisser' an der 'Orgel zu vier Händen und vier Füßen' beschwingte Strauss-Melodien, bevor Pfarrer Norbert Stapfer nach Gebet und Segen die begeistert applaudierenden Gottesdienstbesucher nach Hause entlässt. Nicht ohne allerdings auf das kommende Jahr zu verweisen. Da wird sich das Team die Verdi-Oper 'La Traviata' vornehmen. Alle waren sich einig: so macht Kirche Spaß! Wiederholt wurde 'Der Fliegende Holländer' am selben Abend in der Emmauskirche in Bad Griesbach. 

Text: Dr. Claudia Stadelmann-Laski / Foto: Georg Laski

 

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